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HOMUNCULUS. 3. GESANG: DER BILLIONÄRРоберт Гамерлинг

Gründer eines Unternehmens...
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немецкий
Gründer eines Unternehmens,
Welches großen Ausfuhrhandel
Trieb mit frischen Regenwürmern
Nach dem steinigen Arabien,
Wurde Munkel. Eine Zeit war's,
Wo es schneite Werthpapiere,
Wo ein Gold- und Silberhagel,
Wo ein Regen, eine Sintflut
Niederging von Millionen
Auf der Menschen sel'ge Häupter.
Kalifornien, Bimini,
Kolchis, Dschinnistan, Atlantis,
Avalun und Eldorado
Waren nicht so reich an Wundern,
Waren nicht so reich an Märchen,
Wie der Börse heil'ge Hallen.
Jeder hatte Gold, weil Jeder
Es hinauswarf. Jeder hatt' es,
Aber es gehörte Keinem.
Jeder Seckel hatt' ein Loch,
Durch das er sich stets entleerte,
Aber auch sich wieder füllte.
Eine ungeheure Rolle
Spielte Munkel bald als Geldmann.
Jeden Krösus, jeden Nabob,
Jeden Rothschild übertrumpfend,
Stand er schließlich da als erste
Geldmacht dieses Erdenrundes.
Eine große dampf-getrieb'ne
Couponsschnittmaschine hatt' er:
Diese, rastlos Tag und Nacht,
Sichelte von kolossalen
Stößen seiner Werthpapiere
Die Coupons nur so herunter,
Wie die Häckselschnittmaschine
Häcksel schneidet auf der Tenne.
Mit verschwenderischem Aufwand
Ueberstrahlend aller Fürsten,
Aller Höfe Prunk und Prächte,
Trank und aß er nur aus Gold,
Stand und ging und saß und lag er
Nur auf Goldbrokat und Seide.
Jede seiner Festmahlzeiten
Riß ein Loch in die Natur,
Und die Welt, verarmt, geplündert,
Zitterte vor Angst, durch Munkel's
Und durch seiner Gäste Gurgel
Nächstens ganz gejagt zu werden.
Zu Gespielinnen erkor er
Holde Wesen aus Cirkassien,
Polen, Ungarn und Rumänien;
Und die Danaën, sie schützten
Sich vor Munkels gold'nem Regen
Nicht mit aufgespannten Schirmen,
Ließen über sich ergehen
Wolkenbrüche seiner Gnade.
In dem ries'gen Hühnerhofe
Hatt' er steh'n den Vogel Phönix,
Und im Stall den Pegasus,
Welcher mit gestutzten Flügeln
Und beschlag'nem Huf sich spannen
Ließ vor seine Prachtkarossen.
Seiner ersten Favoritin
Nachzutragen ihre Schleppe
Und den Schatten in der Sonne,
Dient' ihm ein gefang'ner Elf.
Selbst der Teufel, hieß es, habe
Sich ihm schon gestellt zu Diensten,
Und erboten sich, als Mohr
Bei den gold'nen Prachtkarossen
Munkel's hinten aufzusitzen.
Mächt'ger wuchsen noch die Schwingen
Ihm, da er als Gründer auftrat
Eines neuen Unternehmens,
Einer Aktiengesellschaft
Zur Behebung des versenkten
Nibelungenhorts im Rheine.
Würdigend so edles Beispiel
Patriotischer Gesinnung,
Hob das Volk ihn bis zum Himmel,
Ueberhäuften Deutschlands Höfe
Seine Brust mit Ordenslasten,
Schlugen ihn zum Ritter, gaben
Bald ihm auch die Freiherrnkrone.
Straßen und Kanäle, Länder
Fern am Nordpol und im Monde,
Schiffe, Hüte und Kravatten,
Und Planeten, neu entdeckte,
Nannte man nach seinem Namen.
Sein Porträt fand auf Bonbons sich,
Auf Lebkuchen, Zündholzschachteln,
Tanzordnungen, Busennadeln,
Tabaksdosen, Tabakspfeifen,
Auf Schnupftüchern, Kaffeetassen,
Bierglasdeckeln, Wirthshausschildern.
Jede illustrirte Zeitung
Wandelte für ihn zum Spiegel
Sich, draus ihm wie zum Rasiren
Sein Gesicht entgegengrinste.
Doch bei all' den Herrlichkeiten
Fühlte Munkel oft sich elend.
Unerklärliches Gebreste
Regte sich in seinen Gliedern.
War ihm doch, als würden manchmal
In ihm locker die Atome,
Und als könnt' im Niesen etwas
Von Molekeln des Gehirnes
Ihm entweichen durch die Nüstern.
Krankhaft wüster Durst nach Gold,
Seltsame Gemüthszustände
Quälten ihn und zehrten heimlich
Ihm an Leber, Herz und Lunge.
Lüsternheit, Blasirtheit mischten
Peinlich sich in seinem Wesen,
Heimgesucht von schnöden, fremden,
Wunderlichen Appetiten
Fühlt' er sich: Gelüste kamen
Ihm noch Asa foetida –
Schweingegrunze – bärt'gen Schönen.
Manchmal sehnt' er sich nach Prügeln,
Zankte, balgte sich mit Wichten,
Oder einen Unbekannten
Bat er in des Markts Gedränge,
Zu versetzen ihm für gutes
Trinkgeld einen Nasenstüber,
Schurke, Dummkopf ihn zu schelten.
Aerzten jeder Schule warf er
Haufen Goldes vor die Füße;
Und die Aerzte übersetzten
Ihm in's Griech'sche seine Leiden –
Das war alles, was sie konnten.
Manche auch, mit seines Wesens
Innerster Natur und Herkunft
Nicht vertraut, nicht klug geworden
Aus des Kranken irren Reden,
Und deshalb nur um so dreister
Ihre Diagnosen stellend,
Salben mischend, Tränke brauend,
Brachten ihn dem Tode nahe.
Einen Preis ausschrieb der Kranke
Schließlich: einen Scheffel Goldes
Für den Arzt, der ihn verstände.
Kunde kam hiervon zu Ohren
Auch dem würd'gen, tiefgelehrten,
Zauberkund'gen Mann, aus dessen
Händen war hervorgegangen
Der Homunkel-Embryo.
Mittlerweil' zum Greis geworden,
Hatt' er aus der Ferne Munkels
Lebenslauf verfolgt mit größtem
Herzensantheil stets im Stillen.
Stören dieses Lebenslaufes
Vielversprechenden Emporgang
Wollt' er nicht durch Uebereilung,
Durch Enthüllungen zur Unzeit.
Aber jetzt vor Munkel treten
Wollt' er, seiner Leibesschwächen
Art und Grund und Grad erforschen,
Ihm zum Helfer sich erbieten,
Ihm eröffnen das Geheimniß.
Gähnend erst empfing, gelangweilt,
Munkel den Gelehrten, welcher
Nur gekommen schien, das Tausend
Voll zu machen seiner Helfer.
Aber bald, wie von geheimer
Sympathie zu ihm gezogen,
Stand er Rede diesem Würd'gen,
Schüttete vor ihm sein Herz aus.
"Ach," so seufzt' er, "selber rathlos,
Stets vergebens Hilfe suchend,
Helfen soll ich aller Welt!
Soll für Alle sein der heil'ge
Niklas, welcher füllt mit Gaben
In der Nacht an allen Fenstern
Die hinausgestellten Schuhe!
Und auf ihren Knieen bitten
Mich die Armen, mich die Wittwen,
Mich die Waisen, selbst die Bettler,
Anzunehmen ihr Erspartes,
Und zum Fortunatussäckel
Soll in meiner Hand dem Eigner
Wandeln sich der Bettlerranzen!
Volksaufläufe, Prügeleien
Vor den Pforten meines Hauses
Stören Morgens mir den Schlummer.
Ja, dies Haus, der Welt ein Mekka,
Heil'ges Grab, ein Montsalvatsch,
Eine Burg des heil'gen Gral ist's!
Pumpende Finanzminister
Treten sich in meinem Vorsaal
Ab die Zehen! Wie das Gold mich
Anzog mit geheimer Kraft stets,
Zieh' ich an das Gold auch selber.
Mir als lebendem Magnetberg
Fliegt es zu aus den Verstecken,
Von des Königs Schatzgewölben
Bis hinab zu dem mit harten
Thalern angefüllten Wollstrumpf
Eines greisen Harpagons.
Ha, bald bin ich gar der Einz'ge,
Und die Welt mein Eigenthum!
Siebenmeilenstiefel liefert
Mir mein Schuster und Gewande
Von Asbest mein Kleidermacher;
Wiederfand mein Koch die alten,
Längst verlorenen Rezepte
Der Ambrosia, des Nektars!
Ach, bei den lukull'schen Mahlen
Meiner Küche fehlt mir nichts,
Als der Hunger – auf den seid'nen
Kissen meines Schlafgemaches
Nur der Schlaf – im Arm der Liebe
Nur die Liebe!" –
So sprach Munkel
Und geleitete den Alten
Durch die Säle seines Hauses,
Wo sich drehend in den Angeln,
Alle Thüren Melodieen
In kristall'nen Spieluhrklängen
Wundersam vernehmen ließen.
Seine strahlenden Gemächer,
Seine Bühne, seines Schachbretts
Märchenpracht mit kostümirten
Lebenden Figuren zeigt' er
Im Vorbeigeh'n dem Besucher,
Seinen Springbrunn, der Champagner
Perlend in die Lüfte sprühte,
Und an welchem kunstgefügte,
Automatische Figürlein,
Ganymed und Hebe, gold'ne
Becher füllten und kredenzten.
Denn in Munkel's Hause waren
Meist ersetzt lebend'ge Diener
Jeder Art, Schauspieler, Sänger,
Virtuosen, durch kunstvolle
Automaten, und zum Theil auch
Durch Maschinen, drahtgezog'ne,
Dampfgetrieb'ne: und Geräthe,
Todt sonst, durch lebend'ge Wesen.
So bewegten Lebewesen
Zierlich sich auf Munkel's Schachbrett,
Ein dressirter Löwe schmiegte
Statt des bloßen Löwenfells als
Teppich sich vor Munkel's Lager,
An dem Pavillon des Gartens,
Im Barockgeschmack errichtet,
War das Kuppeldach getragen
Von dressirten Boaschlangen,
Welche sich darunter stemmten,
Regelrecht den Leib geringelt
In Gestalt gewund'ner Säulen.
Aber eine Nachtigall,
Die bezaubernd sang im Bauer,
War ein Automat – desgleichen
Ein Eichhörnchen, dessen Sprünge
Lenkten, wie an Zauberdrähten,
Wunderkräfte der Elektrik.
Munkel hieß den Greis am Springbrun'
Mit dem Schaum aus Hebe's Spitzglas
Sich die Lippe baß erfrischen.
Zeigte dann auch dem Erstaunten
Seine Raritätensammlung,
Ohne viel Gewicht zu legen
Auf Kleinode, altberühmte,
Märchenhafte, die für ihn
Einzig nicht "Chimäre" waren,
Weil er sie – bezahlen konnte.
"Hier der Stein der Weisen," sprach er,
"Leider nur zu spät gefunden,
Schon verwittert und zerbröckelnd!
Hier Faust's Mantel, arg verschlissen,
Löcherig, drum ohne Flugkraft!
Hier die einstens vielgenannte
"Blaue Blume" der Romantik,
Duftlos, eingepreßt, getrocknet!
Hier das Horn des Oberon,
Das so wunderbar erklungen
Durch die Schluchten, durch die Thäler,
In der Minne gold'nen Zeiten –
Heiser jetzt und dumpf nur klingt es!
Hier des Fortunatus altes
Wunschhütlein! Nur noch als Schlafmütz'
Brauch' ich es zuweilen. Nicht mehr
Aufzutreiben war das alte
Echte Horn des Ueberflusses:
Traun, ersetzt in unsern Zeiten
Ist das Horn des Ueberflusses
Durch den Ueberfluß an Hörnern.
Hier das Kostbarste: die Schale
Ist's des heil'gen Gral! Geschnitten
Aus Smaragdgestein! Unschätzbar!
Habe sie von einem Juden,
Welcher sie bei einem Köhler
In den Pyrenä'n entdeckte
Unter altem Kram, voll Spinnweb,
Staub und Dust – für zehn Realen
Nahm der Jude sie vom Köhler,
Ich erwarb für eine halbe
Million sie vom Hebräer:
Solches ist der Werth des Steines."
Fröstelnd drückte jetzo Munkel,
An des Alten Seite weiter
Durch die Prunkgemächer wandelnd,
Auf die Feder eines wucht'gen,
Halbverborg'nen Mechanismus.
Wie durch Zauber drehten plötzlich
Sich der Sonne zu die Fenster
Des Gemachs, das sie durchschritten.
Drehbar stand das Haus auf Säulen,
Zuzukehren seine Fenster
Nach Belieben jetzt der Schatten-,
Jetzt der warmen Sonnenseite.
Eines Zifferblattes Zeiger
Rückte Munkel im Vorbeigeh'n
Auf des Wärmegrades Ziffer,
Den er wünschte, und ein linder
Zephyrhauch von duft'ger Wärme
Strömte hin, elektro-thermisch
Angefacht, durch alle Räume.
Doch zu frösteln fortfuhr Munkel,
Und sich matt auf eines Sophas
Seid'ne Purpurkissen werfend,
Hub er grämlich an zu klagen
Ob der Schwächen und Gebreste,
Die ihn quälten. Erst am Mund ihm
Hing mit unverwandtem Lauschen
Still der Alte; doch dann, fragend,
Jetzo Puls und Herzschlag prüfend,
Jetzt der Zunge Blaß erwägend,
Jetzt das Gelbgrün aller Adern,
Jetzt betupfend und betastend,
Jetzt beklopfend und behorchend
Alle Glieder und Organe,
Drang so allgemach mit manchem
"Hm!" und "Ha!" und "Ei!" der Meister
Durch bis auf den Grund der Dinge.
In ein Brüten dann versank er,
Schien ein Schweres zu erwägen
Und nach dienlichem Entschlusse
Wankend, angestrengt zu ringen.
Endlich hatt' er durchgekämpft sich
Zu gewichtiger Entscheidung,
Und den ernsten Blick auf Munkel
Richtend, hub er an in dumpfem
Und schier feierlichem Tone:
"Für dein Leiden, edler Munkel,
Für die Schwächen und Gebreste,
Die dich quälen, giebt es einen,
Einen Arzt nur, einen Helfer!
Einen Helfer, welcher wissend,
Wahrhaft in dein Inn'res blickend,
Ganz dein tiefstes Sein erfassend,
Auch allein dich stärken, heilen,
Retten kann! Und dieser einz'ge
Arzt und Helfer und Berather –
Es ist der, der dich geschaffen,
Dich gerufen hat ins Dasein!"
"Sprichst du von dem lieben Gotte?"
Fragte Munkel, sah mit leichtem
Naserümpfen von der Seite
Seltsam schielend auf den Alten.
"Nein!" versetzte lächelnd Dieser.
"Nein, mein Freund, der liebe Gott,
Glaub' es mir, hat nichts zu schaffen,
Nicht mit dir, noch deiner Schöpfung,
Und er wird dir auch nicht helfen!
Nein, der dich ins Dasein rief,
Dich erschuf, es ist ein Mensch,
Ja, ein Mensch, ein Mensch wie and're –
Mißversteh' mich nur nicht wieder:
Nicht den Dorfschulmeister mein' ich,
Den als Kind du Vater nanntest;
Nein, es ist ein Mann des Wissens
Höh'rer Art, von dem ich rede!
Dieser Mann – nun fasse dich,
Edler Munkel, Aug' in Auge
Fest zu schau'n dem allertiefsten,
Wunderbarlichsten Geheimniß:
Dem Geheimniß deines Daseins!
Dieser Mann, er hat nach langem
Forschen, Sinnen und Bemühen,
Hat in langen Winternächten
Im verschwiegenen Gemache,
Stoffe bindend, Säfte brauend,
Deines Daseins, deines Wesens
Keim gemischt und ausgestattet
Mit des Lebens Wunderkräften.
Dieser Mann – bin ich!"
Mit starren,
Aufgeriss'nen Augen blickte
Munkel auf den Wunderthäter;
Keines Wortes war er mächtig.
Ihm getreu den ganzen Hergang
Seiner ersten, zweiten Schöpfung
Nun erzählt der greise Meister.
Wie er hergestellt allein ihn
Ohne mütterliches Zuthun –
Eines Bessern durch Erfahrung
Dann belehrt, ihn eingeschmolzen,
Aufgelöst bis auf den Urkeim,
Der, zwar reinste Stoffnatur,
Doch in einem Mutterschoße
Langsamer gereift und kräft'ger
Und natürlicher entwickelt,
Trat hervor an's Licht: geboren,
Aber nicht gezeugt ...
Noch immer
Schweigend in den Kissen lehnte
Munkel, horchte starr der Kunde.
Jetzo schwand ihm das Bewußtsein,
Und er sank in sich zusammen.
Aber aus der tiefen Ohnmacht
Ruft zurück ihn bald der Meister,
Spricht ihm Muth ein, heißt ihn dankbar
All' des Herrlichen gedenken,
Das ihm ward, und wie so anders,
Glücklicher sein Loos gefallen,
Als der andern Menschenkinder,
Bürgschaft leistend für den Vorrang,
Des durch Wissensmacht Geschaff'nen
Vor den Andern, den Erzeugten!
Und die Schwächen und Gebreste,
Die ihn lang bedrängt, für diese
Sei der Wissende, der Helfer,
Der Berather nun gefunden!
"Alte Weise," sprach er, "dachten,
Fäulniß-widriges Prinzip sei,
Was man Seele nennt im Leibe,
Frisch erhaltend all' die tausend
Ingredienzien, die zarten,
Eines thier'schen Organismus;
Da nun aber jene Seele,
Die verlieh'n ward deinem Urkeim,
Reine Stoff- und Kraftnatur zwar,
Doch nur Präparat der Stoffe,
Und der Kräfte, die wir kennen,
Die bis heute wir ergründet,
Ueber die wir heut verfügen,
Gilt's auch fortan auf demselben
Engbegrenzten Stoff- und Kraftweg,
Den wir kennen, stets ihr fleißig
Nachzuhelfen; insbesondre
Gilt's mit Salzen, gilt's mit Würzen
Reichlich dein Geblüt zu pfeffern,
Daß nicht bei lebend'gem Leibe
Hirn und Herz und Eingeweide
Dir verwesen, theurer Munkel,
Sondern neu gestärkt, gesundet,
Völlig zur Entfaltung reife
Deines Wesens Kraft und Blüthe!" –
Durch des Greises Wort ermuthigt,
Raffte Munkel wie aus schwerem
Traum sich auf. Den Meister bat er,
Zu bewahren das Geheimniß
Vor der Welt – mit Rollen Goldes
Es zu lohnen ihm versprach er,
Und zum Leibarzt warb er ihn.
"Ehre machen dieser Herkunft,
Die du heute mir enthülltest,"
Rief er aus zuletzt, begeistert,
"Ehre machen dir, dem Meister,
Dir und deiner Schöpfung will ich!
Will die Sendung treu erfüllen,
Die geworden mir auf Erden!" –
Insgeheim fortan verkehrten
Munkel viel und sein Erzeuger,
Der mit Bädern und mit Reizen
Und mit Salben und mit Salzen
Und mit Tränken, wunderthät'gen,
Und mit Goldtinktur, Goldpillen,
Steuerte den räthselhaften
Schwankungen des eigenart'gen
Kunstgeschaff'nen Organismus. –
Bald nachher lief eine Kunde
Weit umher durch alle Länder,
Munkel's Ruhm aufs Höchste steigernd.
Diese Kunde, sie besagte,
Daß nunmehr der Reichthum Munkel's
War gelangt zur Schwindelhöhe,
Die bisher kein Mensch errungen:
Daß er Billionär geworden!
Anlaß ward's zu einem Feste,
Wie noch keines ward gefeiert;
Anlaß ward's zu Huldigungen,
Wie noch Keiner sie genossen.
Fernher, selbst vom Czar, vom Sultan,
Von dem Schah des Perserlandes,
Chinas Herrn, vom Dalai Lama,
Kamen ihm die Festgeschenke:
Pferde, Sklavinnen, Kleinodien,
Hausgeräth und Tand und Zierrath
Aller Arten, aller Zonen,
Auch in ungeheuren Mengen
Leckerbissen: Fleischpasteten,
Torten, ind'sche Vogelnester,
Früchte, Kaviar, Liqueure,
Und dazu an die dreihundert
Reichgestickte Perlenbänder
Für den Hals von Munkel's Hund.
Eingeschmuggelt wurde heimlich
Schon am Abend vor dem Feste
Im Gemach und unter'm Lager
Des Gefeierten ein Redner,
Daß er früh im Morgengrauen,
Wenn die Lider Munkel öffne,
Ueberraschend ihn begrüße
Gleich mit einer Jubelrede.
Um die dritte Morgenstunde
Wachte Munkel auf, und dürstend
Griff nach einem Trinkgefäß er,
Halb im Traum noch. Aber vor ihm,
Wie gewachsen aus der Diele,
Stand auch schon der edle Sprecher.
Aus den Händen des Erschrock'nen
Glitt das Prachtgefäß, zerklirrend,
Und ein apoplekt'scher Anfall
Traf ihn selbst – zum Glück nur leicht.
Später, als er von dem Lager
Sich erhoben und das Messer
Des Barbiers die eine Backe
Raschen Fluges ihm geglättet,
Kam der Deputationen
Vortrab angerückt, und danken,
Bärtig auf der einen Seite,
Glattgeschoren auf der andern,
Mußte Munkel, und tagüber
Tragen so zur Schau die beiden
Unsymmetrischen Profile:
Denn es hielt von jener Stund' an
Immerdar in ihrem Kreis ihn
Festgebannt die Jubelfeier.
Unwillkürlich auf dem Gipfel
Seines Glanzes, tief bedeutsam,
Zeigt' er so ein Janusantlitz
Seiner Zeit, ein Bild der Halbheit!
Durch die Straßen in maskirtem
Festzug auf der Menge Schultern
Ward er im Triumph getragen.
Blumen streuten, festlich vor ihm
Einhertänzelnd, schöne Frauen,
Drunter welche à la Makart.
Die Berliner physikalisch-
Geographische Gesellschaft
That den Vorschlag, daß den ersten
Meridian man künftig ziehe
Durch Herrn Munkel's Riesenkasse,
Durch die Billionenkasse,
Welche heut' mit Blumenkränzen
Reich verziert war, und vor welcher
Staunend stand das Volk in Andacht,
Wie vor einem Hochaltare.
Müd' auf's Lager wirft sich Munkel
Spät am Abend. Schwere Träume
Spinnen fort des Tages Plage:
Frauen überfallen schwärmend
Ihn auf off'nem Markt, und jede
Rupft ein Büschel Haar aus seinem
Scheitel sich zum Angedenken.
Und dann wird – in Lebensgröße,
Nicht wie wir von fern ihn sehen –
Ihm als Ordensstern der Sirius
Auf die Brust gewälzt, so daß er
Aechzt, erstickt, wie unter'm Alpdruck.
Aber diesem Angsttraum wird er
Mitten in der Nacht entrissen,
Aufgerüttelt durch Gesandte,
Die ihn feierlich entführen,
Daß die Stadt- und Höh'nbeleuchtung
Er bewund're, die zu Ehren
Ihm in tausend Flammen lodert,
Und vorbei auch lasse ziehen
Dann an sich den unerhörten
Riesenfackelzug, zu welchem,
Gleichfalls ihm zu Ehren, eine
Welt sich drängt.
Im Wirbel dieser
Uebermenschlichen Strapazen
Und Erregungen verrückt wird
Munkel und verfällt in einen
Seltsamen Bedankungs-Wahnwitz,
Also, daß er lächelnd, weinend,
Mit unsäglich weicher Rührung
Einzeln Jeden auf der Straße
Unter Einem küßt und ohrfeigt.
Böses Blut macht dies im Volke,
Und das Hochfest endet damit,
Daß man ihn, des Tages Helden,
Fluchend sperrt in's Haus der Irren.
Doch am Morgen nach dem Hochfest,
Unerwartet auf der Börse
Fluch- und segenreicher Stätte
Kommt ein nie vorher erlebter
Ungeheurer Krach zum Ausbruch,
Und es büßt dabei der große
Munkel ein die kaum errung'ne,
Die gefeierte, die gold'ne,
Glanzumstrahlte Billion.
Als davon die Schreckenskunde
Drang auch in die Zelle Munkel's,
Da geschah ein Wunder: plötzlich
Wieder kam er zu Verstande ...
Doch was nützt nun der Verstand ihm?
Was das Leben? Um der Schmach sich
Zu entziehen, doppelt drückend
An der Stätte einst'gen Glanzes,
Will er in die Fremde flüchten.
Eines Dampfers Bord am Rheinstrom
Nimmt ihn auf und bringt stromaufwärts
Ihn – wohin? Gleichviel! Am liebsten
Säß' er jetzt in Charons Nachen,
Wollt', es wär' ein Styx der Rheinstrom.
Mehr und mehr von Stund' zu Stunde
Ueberkommt ihn die Verzweiflung,
Und die grünen Wellen locken
Ihn hinab, als blinkte draus ihm
Der von ihm der Welt verheiß'ne
Nibelungenhort entgegen.
Widerschein des Mondes war es,
Was so blinkt', und holder Sterne,
Die nunmehr heraufgezogen
An dem abendlichen Himmel.
Nein, nicht länger leben will er!
Rasch entschlossen stürzt er plötzlich
Ueber Bord sich in die Wogen! –
Aber hinter ihm her gleitet
In die Fluth ein Frauenwesen:
Und dies Wesen, es entreißt ihn,
Den Versinkenden, der Tiefe,
Bringt behend, als regt' ein Fischlein
In vertrautem Naß die Flossen,
Schwimmend an den öden Strand ihn.
Nacht ist's. Mond und Sterne glänzen,
Wie sie glänzen nur am Rheine,
Und die dunklen Wellen rinnen
Mit dem wundersamen Rauschen,
Das man kennt aus deutschem Sange,
Und der öde nackte Felsstrand
Liegt in gold'nem Dämmerscheine,
Den man kennt aus deutschen Märchen.
Den Geretteten geborgen
Hat das kühne Frauenwesen
Dicht am Strand in einer Felskluft.
Hier erwacht er neu zum Leben.
Und erstaunt, die Retterin,
Die von wundersamer Schönheit,
Vor sich sehend – trübe Schwermuth
Noch im Blicke, sagt er Dank ihr,
Fragt sie dann nach Stand und Namen.
Sie geleitet aus der Felskluft
Ihn, und mit der Hand, der weißen,
Nach der Uferhöhe deutend,
Weis't sie einen Felsensitz ihm.
"Hast von Lurlei du vernommen?
Längst nicht mehr auf jenem Steine
Singt sie Nachts im Mondenscheine!
In die Welt hinausgewandert
Ist sie, Menschenloos zu kosten!
Hat vertauscht des Nixenschleiers
Gaze mit Brabanter Spitzen,
Hat gelernt von Menschenkindern
Neue Töne, neue Weisen;
Auf Europens Opernbühnen
Hat sie Gold und Ruhm geerntet.
Heut als deine Fahrtgenossin
Auf dem Strom, an Bord des Fahrzeugs,
Hat sie dich erkannt, den Großen,
Den Gefeierten, den Gründer
Jenes stolzen Unternehmens
Zur Behebung des versenkten
Nibelungenhorts im Rheine!
Auf der melanchol'schen Stirn dir
Las sie trübe Todgedanken,
Und als du nun über Bord sprangst,
Spornte sie geheimer Antrieb
Dir zu folgen ... War's Verhängniß?
War's der Drang, an dieser Stätte
Ihrer einstigen Behausung
Wieder einmal sich zu tauchen
In die Fluth, die holdvertraute? –
War's geheime Sympathie
Mit dem Manne, den zu retten
Ihr bestimmt war vom Geschicke?" –
"Dankenswerth," erwidert Munkel,
"Scheint das Sein auch dem, der's wegwarf,
Gibt zurück es solche Hand ihm!
Bist du, wunderbares Wesen,
Bist du wirklich Nixe Lurlei,
Welche singend in des Rheinstroms
Tiefe Manchen niederlockte,
Aber heut gerettet Einen?
Ei, wie kam's, daß du entsagtest
Einem leidlos-schönen Dasein
Und in's wirre krause Leben
Uns'rer Menschenwelt dich stürztest?"
"Dies," versetzte drauf die Nixe,
"Ist gesagt mit wenig Worten,
Kaum der Rede werth – vernehmen
Wirst zuletzt vielleicht noch lieber
Du in Kürze meinen bunten
Lebenslauf im Weltgetriebe!" –
Neugier sprach aus Munkel's Blicken,
Und was Nixe Lurlei sprach,
Künd' ich euch im nächsten Sange.
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Erstdruck: Hamburg (Richter) 1888.
Hamerling, Robert: Homunculus. Modernes Epos in 10 Gesängen, 5. Auflage, Hamburg
1889, S. 36-62.

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