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DAS MÄDCHEN IM FRÜHLINGФранц Грильпарцер

Der Weinstock sprosset, der Apfelbaum blüht...
3 мин.
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немецкий
Der Weinstock sprosset, der Apfelbaum blüht,
Das Veilchen duftet, die Rose glüht,
Der Mai senkt sich freundlich hernieder,
Die Nachtigall flötet, die Wachtel ruft,
Die Lerche zwitschert in heiterer Luft,
Das häusliche Schwälbchen kehrt wieder!

Schon fünfzehnmal sah ich den Apfelbaum blühn,
Das Veilchen sprossen, die Rose glühn,
Und feuriger strahlen die Sonne;
Da tanzt ich so heiter den Frühlingsreihn,
Da konnt ich der jungen Natur mich erfreun,
Da fühlt ich im Frühling nur Wonne!

Doch jetzt ists anders, doch nicht so gut,
Dahin, dahin ist mein fröhlicher Mut,
Ich kann nicht mehr tanzen und scherzen!
Der Frühling füllt nicht mein Herz mehr mit Lust,
Es atmet beklommen die junge Brust,
Es ist mir so ängstlich im Herzen!

Im Busen wogts wie ein wallendes Meer,
So fröhlich ist alles rings um mich her,
Doch ich fühl ein trauriges Sehnen!
Es freut sich so innig die ganze Natur,
Die Freude belebt jede Kreatur,
Ich Arme vergieße nur Tränen!

Beklommenheit ists, was die Seele fühlt,
Was nimmer ruhend im Busen wühlt,
Sie hat mir die Ruhe entrissen;
Und dennoch möcht ich das Gefühl, das mich quält,
Um alle Schätze der ganzen Welt
Aus meinem Innern nicht missen!

Ach, darum bin ich wohl nur betrübt,
Weil mich kein lebendes Wesen liebt? –
Das Nachtigallweibchen im Schatten
Der sparsambelaubten Linde baut
Ihr Nest und locket mit freudigem Laut
Den sorgsam helfenden Gatten!

Die Tauben schnäbeln im Rosengesträuch
Und girren so zärtlich, so innig, so weich,
Ich seh sie mit sehnenden Blicken!
Ach, wär ich doch auch so glücklich wie ihr!
Ach, flattert ihr Täubchen, ach flattert zu mir.
Laßt mich an den Busen euch drücken!

Kommt, liebt mich! – Dann wär ich wohl wieder so
Wie ehmals, würde so heiter und froh
Wie sonst die Tage verleben! –
Doch nein, eine innere Stimme spricht:
Was meinem fühlenden Herzen gebricht,
Kann ein fühlendes Herz mir nur geben!

Den 13ten August 1807
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Gedichte.
Die meisten Gedichte wurden kurz nach ihrem Entstehungsdatum erstmals in verschiedenen Zeitschriften abgedruckt. Erstdruck der ersten Gesamtausgabe nach Grillparzers Tod, 1872.
Franz Grillparzer: Sämtliche Werke. Band 1, München [1960–1965], S. 52-53.

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